Samstag, 25. Oktober 2014

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In eigener Sache: Gro├če Aufmerksamkeit f├╝r "kleine" Angebote

“Der Klassiker Heddesheimblog…”

Hervorragende intellektuelle Debatten und Diskurse gibt es beim Deutschlandfunk und Deutschlandradio. Quelle: Dradio

 

Rhein-Neckar, 13. Mai 2012. (red) Aktuell hat Professor Martin Welker beim Deutschlandfunk einen kritischen Beitrag zum Journalismus ver├Âffentlicht. Welker ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft f├╝r Online-Forschung und Vertretungsprofessor f├╝r Journalistik an der Universit├Ąt Leipzig. Der Experte bezeichnet das erst drei Jahre alte Heddesheimblog als “Klassiker” des internetbasierten Graswurzeljournalismus. Das Heddesheimblog ist die Keimzelle unseres Netzwerkes.

Von Hardy Prothmann

Ich kenne Herrn Professor Welker nicht pers├Ânlich, wei├č aber, wer er ist: “Von 2000 bis 2004 arbeitete Welker als Projektleiter beim Think Tank MFG Medienentwicklung Baden-W├╝rttemberg. Von 2008 bis 2010 hatte er die Professur f├╝r Journalistik an der Macromedia Hochschule f├╝r Medien und Kommunikation in M├╝nchen inne. Er forscht zu den Themen Journalismus, Rechercheprozesse, Partizipation, Strukturwandel der ├ľffentlichkeit, Berufsfeldforschung und Online-Forschung.” So steht es in seiner Biographie.

In seinem lesenswerten Beitrag “Ein verl├Ąssliches Gegengift gegen die Gro├čpublizistik” f├╝r den renommierten Deutschlandfunk/Deutschlandradio (├╝brigens zwei der besten und letzten hochprofessionellen journalistischen H├Ârfunk-Angebote in Deutschland, f├╝r die ich selbst gearbeitet habe, die ich unabh├Ąngig davon pers├Ânlich als H├Ârer sehr sch├Ątze und gerne empfehle) nennt er das Heddesheimblog einen “Klassiker”.

Heddesheimblog – ein Klassiker?

Da musste ich spontan laut lachen. Ein “Klassiker”? Mit dem Heddesheimblog haben wir unser Netzwerk begonnen. Vor drei Jahren! K├Ânnen wir da schon Klassiker sein? Wohl kaum und irgendwie doch, weil “im Internet doch alles sehr schnell geht”. Ist das so? Ja und Nein.

Ich habe mich sehr dar├╝ber gefreut, dass neben dem Heddesheimblog auch die Tegernseer Stimme genannt wird, sowie Regensburg-Digital, die Prenzlauer Berg Nachrichten sowie altona.info. Auch das sind Redaktionen, deren Arbeit ich sehr sch├Ątze. Und die genannten sind alle bis auf altona.info Mitglied im Netzwerk istlokal.de, das ich zusammen mit Kollegen Anfang 2011 gegr├╝ndet habe.

"Verl├Ąssliche Gegengifte gegen die Gro├čpublizistik" - hyperlokale Blogs. Quelle: Dradio

 

Alle Angebote machen Lokaljournalismus. Alle diese neuen Angebote basieren nicht auf 60 Jahre alten Linzenzmodellen wie das bei Tageszeitungen der Fall ist. Alle sind neu und das “Heddesheimblog” ist allein deswegen ein “Klassiker”, weil es vor drei Jahren eines der ersten professionell-journalistischen Angebote war und durch eine konsequent kritische Berichterstattung schnell bekannt und schnell zum “Vorbild” empor gehoben wurde. Nat├╝rlich wurde auch viel kritisiert. Beides ist gut – denn es belebt die Debatte um Qualit├Ątstandards im Journalismus.

Vorbildstatus

Mit dem “Vorbild-Status” kamen also auch viele Fragen und Kritiken. Ganz klar machen wir auch Fehler. Und die machen wir transparent. Als eines von ganz wenigen Medienangeboten haben wir daf├╝r eine “Korrekturspalte” – bis heute haben wir insgesamt acht Artikel von 2.500 “korrigiert”.

Eine der h├Ąufigsten Fragen ist, wie man diese Arbeit, in der viel Herzblut steckt, eine demokratische ├ťberzeugung und noch mehr Arbeit, finanziert. Alle genannten Angebote sind f├╝r die Nutzer kostenlos und alle streben eine Finanzierung ├╝ber Werbung an. Dieses Gesch├Ąftsmodell entwickelt sich zunehmend, weil Unternehmen erkennen, dass Online-Werbung wirkungsvoll ist, g├╝nstiger und effektiver als die klassische Print-Werbung.

Die W├Ąhrung, die die Macher der “hyperlokalen Angebote” verkaufen, ist Aufmerksamkeit. Sozusagen ein “Klassiker”. Und vor allem Glaubw├╝rdigkeit. Und das mit zunehmendem Erfolg.

Tageszeitungen verlieren dramatisch an Auflage und Werbeums├Ątzen, weil sie jahrzehntelang ihr Monopol gemolken haben und ihren Kunden, den Lesern und Werbepartnern kaum entgegen gekommen sind. Die Innovationsbereitschaft deutscher Tageszeitungen geht gegen Null.

Vor rund zehn Jahren setzte eine Erosion ein, die in einer “Medienkrise” gipfelte. Die so geannnten “Rubrikenm├Ąrkte”, Auto, Immobilien, Stellenanzeigen, wanderten ins Internet ab. Herbe Verluste f├╝r die Zeitungen waren die Folge.

Statt sich zu ├Âffnen, mauerte man. Es galt das gewohnte Ziel von 20-30 Prozent Umsatzrendite zu halten. Gewinne, die f├╝r den Gro├čteil der Wirtschaft “phantastisch” anmuten.

Das Internet hat diese “Blase” zerst├Ârt. Vor allem den Zeitungen, die mit ihren Nachkriegslizenzen solche zum “Geld drucken” hatten, straucheln. In den kommenden Jahren wird es dramatische Ver├Ąnderungen im Zeitungsmarkt geben.

Klassisch-modern oder modern-klassisch?

Neue Angebote wie unsere Ortsblogs glauben ganz “klassisch” an guten Journalismus und den Werbemarkt. Wie die Tegernseer Stimme oder die Prenzlauer Berg Nachrichten bedienen wir eine lokale interessierte ├ľffentlichkeit. Mit kritischem Journalismus. Auch in Altona oder Regensburg. Die Menschen interessieren sich und sch├Ątzen unabh├Ąngigen, kritischen Journalismus – insofern sind wir alle “Klassiker”. Wir bedienen klassische Interessen. Aber unabh├Ąngig, neugierig, unbequem.

Ganz klar wollen wir ein “Gesch├Ąft” machen. Unsere Arbeit und die der Mitarbeiter muss bezahlt werden. Wir bieten aber im Gegensatz zu den Monopolmedien faire Preise und moderne Anzeigenformen an.

Und wer wei├č? Professor Martin Welker blickt in seinem Beitrag zur├╝ck – verweist vollkommen zu Recht auf die fr├╝hen Anf├Ąnge des alten Systems. Auch Zeitungen haben “klein” angefangen, sich entwickelt und wurden irgendwann fett.

F├╝r die ├╝berschaubaren kommenden Jahre kann man das f├╝r die neuen hyperlokalen Angebote vermutlich nicht annehmen. Wir werden uns unsere Stellung im Markt weiter erobern m├╝ssen, k├Ąmpfen dabei vermutlich oft ums ├ťberleben. So wie andere Branchen auch.

Unabh├Ąngige Berichterstattung

Wir stellen uns dabei markwirtschaftlich einem Wettbewerb und nehmen die Herausforderungen an. Im Gegensatz zu “Katzenfutter”-Herstellern wirken wir aber unmittelbar am Herz-Kreislauf-System der Demokratie mit.

Wir setzen Artikel 5 des Grundgesetzes um und erm├Âglichen B├╝rgerinnen und B├╝rgern, sich ungehindert aus ├Âffentlichen Quellen zu informieren und sich eine Meinung zu bilden.

Beitr├Ąge wie von Herrn Professor Welker zeigen, dass diese an der ├ľffentlichkeit, dem Gemeinwesen und Gemeinwohl interessierte Arbeit (trotz oder gerade wegen der daf├╝r notwendigen Kritik) wichtig, irgendwie klassisch und doch innovativ ist. Und sie ist vor allem wertvoll – weil der kritische Blick auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft immer geeigneter ist, Werte zu erhalten und zu entwickeln, als eine unkritische Hofberichterstattung.

Das moderne Internetzeitalter hat journalistisch eine “klassische” Reanimation ausgel├Âst: Back to the roots, zur├╝ck zu den Anf├Ąngen, Graswurzel-Journalismus w├Ąchst wieder neu.

Und ganz ehrlich? Das wurde auch Zeit!

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├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (47) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.