Mittwoch, 03. September 2014

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Schriesheim: Schwere UnfÀlle sind die Ausnahme.

Klettern auf eigenes Risiko!

Sportkletterer im Klettersteig. Am Stahlseil ist eine Sicherung möglich.

 

Schriesheim, 13. April. 2012. (red/cr) Klettern ist ein beliebter Trendsport. Dass die Felskletterei nicht ohne Risiko ist, zeigt der Kletterunfall vom 25. MĂ€rz 2012. Beim Zustieg zum Klettergebiet ĂŒber einen Klettersteig löste sich ein Stein unter einer 27jĂ€hrigen Hessin. Beim Sturz wurde sie schwer verletzt.    

Von Christian Ruser

Kaum ist der Schnee geschmolzen und die Temperaturen nicht mehr eisig kalt, kommen begeisterte Sportkletterer nach Schriesheim. Der Steinbruch Schriesheim ist mit seinen vier Ebenen das grĂ¶ĂŸte Klettergebiet im Rhein-Neckar-Raum. Durch seine fantastische Aussicht und die zahlreichen gut abgesicherten Routen ist es bei den Sportkletterern sehr beliebt.

Bohrhaken fĂŒr Sicherheit in den Routen

Seit 1999 hat die AG Klettern einen Nutzungsvertrag mit der Stadt Schriesheim geschlossen. Seitdem kĂŒmmern sich die ehrenamtlichen Mitglieder um die Instandhaltung der Routen. Die meisten Routen sind exzellent abgesichert. Viele Bohrhaken ermöglichen die Zwischensicherung und die Umlenker sind sorgfĂ€ltig angebracht.

Die AG Klettern möchte einen hohen Sicherheitsstandard erfĂŒllen. So werden die Haken nur von geschulten Personen angebracht. Über das Jahr verteilt werden die Sicherungen sukzessive kontrolliert. Trotz der guten Kontrolle birgt das Felsklettern aber immer unkalkulierbare Risiken.

Der Fels arbeitet

Christian Kohl, 1. Vorsitzender der AG Klettern Odenwald, erklĂ€rt, dass auch eine von außen intakte Stelle im innenliegenden Bereich Höhlungen aufweisen kann. Durch Eisbildung im Winter, kommt es auch immer wieder zum Abbrechen von Steinen.

Da Kletterfelsen keine standardisieren SportgerĂ€te sind, gibt es keine einheitlichen SicherheitsprĂŒfverfahren.  Deshalb liegen Absicherung  und Risiko beim Outdoor-Klettern ausschließlich beim Sportkletterer. Kletter- und Materialfehler sind nicht kalkulierbar und nur durch Vorsicht sind Gefahren zu minimieren.

Eine gesetzliche Richtlinie gilt fĂŒr kostenfreie Klettergebiete nicht. Da Verkehrssicherungspflichten auf Einzelfallrechtsprechung beruht.  Auch wird durch das Anbringen von Bohrhaken im Fels keine zusĂ€tzliche Gefahrenquelle geschaffen. Wann und wo ein Stein aus dem Fels bricht ist keine absehbare Gefahrenquelle.

Es empfiehlt sich im Klettergebiet Schriesheim einige Sicherheitsmaßnamen zu ergreifen.  Gegen den Steinschlag ist das Tragen eines Kletterhelms zu empfehlen. Auch sollten die Sicherungsmöglichkeiten im Fels genutzt werden. Oft können so schwere UnfĂ€lle vermieden werden.

Hier stĂŒrzte die 27jĂ€hrige Sportlerin in die Tiefe.

 

Im Fall der abgestĂŒrzten Kletterin am 25. MĂ€rz 2012 scheinen die Sicherungsmaßnahmen nur ungenĂŒgend gewesen zu sein. Im Klettersteig im Choucou-Sektor, ein mit einem Stahlseil gesicherter Weg, löste sich ein Stein. Die 27jĂ€hrige Frau aus Hessen verlor den Halt und stĂŒrzte etwa sechs Meter in die Tiefe. Beim Aufprall erlitt sie schwere Verletzungen an den Armen und im Brustbereich. Als die RettungskrĂ€fte eintrafen, bestand keine Lebensgefahr.

Der Klettersteig stellt eigentlich fĂŒr Kletterer keine Herausforderung dar. Trotzdem können durch eine Sicherung am Stahlseil solche StĂŒrze vermieden werden. Viele Sportler verzichten jedoch auf die zeitaufwendige Sicherheitsmaßnahme  – eine NachlĂ€ssigkeit, die schwerwiegende Folgen haben kann.

Das ist zu beachten!

Vor dem Klettern am Fels sollte man sich ĂŒber die Kletterordnung des jeweiligen Gebiets informieren. Da sich das Klettergebiet Schriesheim in einem Naturschutzgebiet befindet, sollte nur im Kletterkorridor geklettert und die ausgewiesenen Zustiege genutzt werden.

Im Falle eines Unfalls ĂŒbernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Transport- und Krankenhauskosten.

Im Klettergebiet Schriesheim sind schwere UnfĂ€lle die Ausnahme. Die Klettersportler achten im Allgemeinen sehr gut auf sichere AusrĂŒstung und sind gut geschult.

FĂŒr NotfĂ€lle hat die AG Klettern einen Hubschrauberlandeplatz angelegt.

 

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (47) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.