Montag, 20. Oktober 2014

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BUND fordert Aufklärung

Illegale Rodung? Vier Hektar Biotop platt gemacht

Ein erstes Opfer - zwischen den Solarpanelen liegt ein verendetes Reh.

 

Mannheim/Rhein-Neckar, 13. Januar 2012 (red/pm) Angeblich soll eine Firma aus Sachsen f√ľr die Vernichtung von vier Hektar Biotop verantwortlich sein. Der BUND kritisiert eine “illegale Naturzerst√∂rung” und fordert Aufkl√§rung. Es gibt viele offene Frage – beispielsweise, wer verantwortlich ist.

Von Hardy Prothmann

An der Riedspitze in Mannheim-Sandhofen, wo sich bis vor kurzem noch am Rhein ein naturbelassenes Biotop befunden hat – t√ľrmen sich entlang des Gel√§ndes gerodete B√§ume und anderes Geh√∂lz. Niedergemacht und zur Seite geschoben.

Tiefe Spuren im Matsch zeigen, dass hier zuvor großes Gerät gewirkt hat, um das Biotop platt zu machen.

Große Eile Рschlampige Verlegung.

Auf der Fläche von rund vier Hektar sind rund 8.500 Solarpanele schlampig verlegt Рdas ergibt eine Kapazität von rund zwei Megawatt.

Der Boden ist nicht √ľberall plan, so werfen sich die Panele wellig auf.

Es sieht aus, als seien hier ohne Sorgfalt “Fakten geschaffen” worden. Es sieht so aus, als sollten noch weitere Panele verlegt werden. Insgesamt sollen hier 2,5 Megawatt erzielt werden.

Abgeschoben, platt gemacht. Das Biotop ist zerstört.

 

Die Panele gl√§nzen wie eine Plane in der untergehenden Sonne. Aus jedem Panel kommen zwei Kabel, √ľber die sie angeschlossen werden sollen.¬† Im Dreck liegen die Rollen der Folien, auf denen die Panele ausgelegt worden sind. √úberall liegen Plastikkappen – vermutlich Kantensch√ľtzer. In einem Teil des Gel√§ndes t√ľrmen sich Paletten, auf denen die Panele vermutlich herantransportiert worden sind.

In diesem Gebiet haben zuvor Rehe Schutz gefunden, die bei unserem Eintreffen schnell zwischen den Restb√§umen verschwinden. Zwischen den Panelen entdecken wir ein totes Reh. Woran ist es eingegangen? Auch seltene Eidechsen seien hier zu finden gewesen. Das Biotop war ein Habitat f√ľr V√∂gel.

“Ungeheuerlicher Vorgang.”

Wer auch immer f√ľr die aus Sicht des BUND illegale Rodung verantwortlich ist – er hatte es sehr eilig. Irgendwann um Weihnachten herum soll es passiert sein. Zun√§chst unbemerkt. Dann fragte jemand beim BUND nach, “was denn da los ist”.

8.500 Panele in einer "Nacht- und Nebelaktion" schlampig verlegt. Was ist hier los?

 

F√ľr die Arbeiten im Au√üenbereich lag nach Angaben des BUND¬† keine Baugenehmigung vor. Angeblich habe die Stadt Mannheim bereits Anzeige erstattet – das will auch der BUND tun.

Die Hafengesellschaft hält sich nach Angaben des BUND bedeckt und will von nichts wissen. Angeblich soll es einen Nutzungsvertrag mit der sächsischen Firma geben, so unsere Recherchen Рunterschrieben sei der aber noch nicht.

Die Firma sei nicht erreichbar.

Matthias Weyland, Regionalgesch√§ftsf√ľhrer beim BUND erk√§rt dazu:

‚ÄěDer Vorgang ist ungeheuerlich und gleicht einem Krimi mit vielen Fragezeichen. Derzeit bem√ľhen wir uns, die einzelnen Puzzlesteine in die richtige Ordnung zu bringen. Die Frage ist vor allem, wer zu welchem Zeitpunkt von dem Projekt wusste.‚Äú

Der Umweltverband forderte alle Beteiligten, vom Investor √ľber die Hafengesellschaft Mannheim als Grundst√ľcksverwalter, die MVV Energie AG und die Stadt Mannheim dazu auf, den Vorgang l√ľckenlos aufzukl√§ren und transparent zu machen.

Gabriele Baier, Diplom-Biologin und Vorsitzende beim BUND Mannheim sagt:

‚ÄěKeineswegs darf die Rodung im Nachhinein legalisiert oder gar als Gewerbefl√§che ausgewiesen werden. Stattdessen muss, gemeinsam mit den Umweltverb√§nden, ein nach naturschutzfachlichen Ma√üst√§ben bestm√∂gliches Entwicklungskonzept f√ľr die Fl√§che erarbeitet und umgesetzt werden!‚Äú

Wir befragen einen Rentner, der mit dem Fahrrad des Weges kommt, ob er die Rodungen bemerkt hat:

Das muss um so um Weihnachten gewesen sein. Mal ehrlich, das Gestr√ľpp ist doch egal, hier gibts genug davon. So wird das Gel√§nde doch f√ľr den Fortschritt genutzt.

Sollte die Rodung des Biotops illegal gewesen sein – w√ľrde das auch bedeuten, dass auf der “Fortschritt” illegal ist? Wir stellen dem alten Mann die Frage nicht, um ihn nicht zu √ľberfordern. Er f√§hrt langsam auf seinem Fahrrad weiter.

Bei Google-Earth kann man noch sehen, was "abgeholzt" worden ist. Quelle: Google Earth - klicken Sie auf das Bild f√ľr eine gr√∂√üere Darstellung.

Mitarbeit: Jörg Theobald

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√úber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (47) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr√ľndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr√§ts und Reportagen oder macht investigative St√ľcke.

  • Jottka

    Mit ‚Äěder s√§chsischen Firma‚Äú? H√§?

    Na gut, salomonisches Urteil ‚Ķ die herrenlosen Panele werden einfach 3 Monate verwahrt. Wenn sich bis dann keiner meldet k√∂nnen Mannheimer Bewohner die Dinger einzeln ersteigern und f√ľr sich nutzen.
    Oder gleich ganz spenden ‚Ķ damit bed√ľrftige Familien Stromkosten sparen k√∂nnen.

    Die illegalen Röder werden verdonnert, den vorherigen Bewuchs wiederzuherstellen. Mal gespannt, wie die dann rotieren.

  • Sandh√∂fer

    Finde dass sich die Verantwortlichen umgehend melden m√ľssen. Immerhin ist das ein Naturschutzgebiet! Da m√ľsste doch normal sogar ein Planfeststellungsverfahren durchgef√ľhrt worden sein ? Die Verantwortlichen hatten wohl keinen Schimmer von der Materie .

  • http://www.naturschutzzentrum-rhein-neckar.de Hans-Peter Merkel

    Langsam hat eine solche Vorgehensweise in Mannheim Methode. Siehe das ganze Gew√ľrge rund um das Gro√ükraftwerk.
    Erst zerstören dann im Nachhinein legalisieren. Und davon soll die Stadtverwaltung nichts gewusst haben, der Verdacht liegt doch nahe hier werden wieder alte Seilschaften gefördert. Man sollte umgehend das Regierungspräsidium in Karlsruhe einschalten um solche Aktionen auch in Zukunft zu unterbinden.
    Unsere Natur ist endlich und wenn einmal zerst√∂rt fast unm√∂glich wieder herzustellen, wenn √ľberhaupt.

  • per jacobi

    ich finde es schon ein wenig suspekt dass hiervon keiner gewusst haben will. ich gehe mal davon aus dass wenn bauliche projekte am starten sind diese am baugrundst√ľck gekennzeichnet sind. wieso hat die polizei dies nicht kontrolliert sondern sogar noch die lkw’s eskortiert um das gel√§nde zu erreichen ???!!! ich hoffe nur dass das gel√§nde wieder ordentlich rekultiviert wird und der verursacher seine gerechte strafe erh√§lt. sollte dies nicht passieren werden die b√ľrger rund um sandhofen wohl den glauben an gerechtigkeit ganz verlieren denn wozu sonst sind gesetze verordnungen und richtlinien da wenn sich keiner wirklich dran halten muss.