Donnerstag, 24. April 2014

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Die Stadt baut die Radverkehrsinfrastruktur konsequent aus

Heidelberg will Auszeichnung als „Fahrradfreundliche Kommune“

Übersichtkarte der Maßnahmen zum Radwegeausbau. Quelle: Stadt Heidelberg

 

Heidelberg, 27. Februar 2012. (red/pm) Heidelberg beantragt beim Ministerium für Verkehr und Infrastruktur die Auszeichnung als “Fahrradfreundliche Kommune”. Hierzu setzt Heidelberg auf einen konsequenten Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur.

Die Bemühungen der letzten Jahre sollen fortgesetzt werden. Die Stadtverwaltung Heidelberg setzt hierbei vor allem auf einen ganzheitlichen Ansatz. So wird in Zusammenarbeit mit dem ADFC das Schulprojekte “Schulradler” gefördert. Dort werden neue Schülern durch Erwachsene oder ältere Mitschüler mit dem Fahrrad zur Schule begleitet. Dies dient zur Sensibilisierung für dieses Verkehrsmittel.

Durch Radbrücken sollen Radschnellstrecken entstehen, die vor allem die Verbindung zwischen den Fakultäten des Unicampus, wie auch dem Hauptbahnhof und Technologiepark erleichtern.

In Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim und dem Rhein-Neckar-Kreis soll ein  öffentliches Fahrradverleihsystem Touristen,  Kongressteilnehmer, Pendler und Heidelberger zur Fahrradnutzung ermuntern. Im Stadtgebiet Heidelberg sollen 23 Stationen an zentralen Punkten entstehen. Diese ergänzen das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs.

Für Bike und Ride-Nutzer sollen an der Nordseite des  Hauptbahnhofs weitere Radabstellplätze geschaffen werden.

Information der Stadt Heidelberg:

“Mit einem Anteil von 30 Prozent ist das Fahrrad in Heidelberg innerstädtisch das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel. Die Stadt baut die Radverkehrsinfrastruktur konsequent aus; in den vergangenen fünf Jahren wurden rund zehn Millionen Euro investiert. Das Heidelberger Radwegenetz umfasst derzeit rund 120 Kilometer. Zahlreiche Einbahnstraßen sind für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet, Bike-und Ride-Anlagen an den Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs und zahlreiche weitere Fahrradabstellanlagen im Stadtgebiet komplettieren das Angebot.

Erster Bürgermeister und Baudezernent Bernd Stadel: „Heidelberg ist Gründungsmitglied der 2010 in Stuttgart ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW). So ist es nur konsequent, das die Stadt Heidelberg jetzt auch offiziell beim baden-württembergischen Ministerium für Verkehr und Infrastruktur beantragt hat, als ‚Fahrradfreundliche Kommune’ ausgezeichnet zu werden.“

Was Heidelberg für den Radverkehr tut

Neben dem Ausbau von Radwegen und Abstellanlagen wurde die Wegweisung in den letzten Jahren systematisch verbessert. Durch die Einbettung in mehrere überregionale touristische Routen ist die Vernetzung mit den Nachbarkommunen gewährleistet. Ab 2012 ist – zusammen mit der Stadt Mannheim und dem Rhein-Neckar-Kreis – ein öffentliches Fahrradverleihsystem als kommunenübergreifendes System in der Metropolregion Rhein-Neckar geplant.

Bahnstadt: Fahrrad als „Leitverkehrsmittel“

Im neuen Stadtteil Bahnstadt ist das Fahrrad als Leitverkehrsmittel fest als Qualitätsbaustein verankert. Es wird ein hochwertiges Fuß- und Radwegnetz nach dem Prinzip der kurzen Wege geschaffen, um von Anfang an – die ersten Bewohner/-innen ziehen im Juni 2012 in die Bahnstadt – optimale Bedingungen für den nicht-motorisierten Verkehr zu schaffen. Zur Anbindung der Bahnstadt an die Innenstadt und die Nachbarstadtteile sind mehrere Rad- und Fußgängerbrücken in Planung; aus ehemaligen Güterbahntrassen werden Rad- und Gehwege.

Verkehrspädagogik

Großen Wert legt die Stadt Heidelberg auch auf die verkehrspädagogische Arbeit. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) führt mit Unterstützung der Stadt Heidelberg regelmäßig Veranstaltungen für Schüler verschiedener Altersstufen durch. Im Jahr 2011 wurde an drei Schulen das Projekt „Schulradler“ gestartet.

Kinderfreundliche Verkehrsplanung

Da das Verkehrsverhalten frühzeitig geprägt wird, ist es ein besonderes Anliegen der Stadt Heidelberg, Kinder für das Radfahren zu begeistern und ihnen Sicherheit zu vermitteln. Mit den vom Heidelberger Gemeinderat 2006 beschlossenen Leitlinien zur kinderfreundlichen Verkehrsplanung wird die Nutzung des Fahrrades von Klein auf gefördert.

Ausbau der Fahrradinfrastruktur 2011/12

Abgeschlossene Maßnahmen

Neuenheimer/Ziegelhäuser Landstraße (Landesstraße 534)

Der Gehweg entlang des Neckars wurde um etwa einen halben Meter verbreitert und zur Benutzung durch Radfahrer freigegeben. Radfahrer können wahlweise auch die Fahrbahn benutzen. Die Geschwindigkeit ist auf 30 Stundenkilometer beschränkt.

Gneisenaustraße

Der Geh- und Radweg zwischen Hauptbahnhof und Blücherstraße – ein wichtiges Teilstück einer Hauptradroute zwischen Wieblingen/Bergheim und der Innenstadt – wurde von 1,50 Meter auf 3,50 Meter verbreitert und ist in beide Fahrtrichtungen nutzbar.

Wegweisung Campus-Route

Die neu ausgewiesene Campus-Radroute verbindet auf einer Länge von 8,4 Kilometern die Universitätsstandorte Neuenheimer Feld, Altstadt und Bergheim.

Markierungen von Radfahrstreifen/Schutzstreifen

Solche Markierungen erfolgten unter anderem in der Rohrbacher Straße zwischen Franz-Knauff-Straße und Alois-Link-Platz. Im Bereich der eingeengten Hebelstraßenbrücke wurde eine Baustellenführung für den Radverkehr ausgewiesen.

Geplante Maßnahmen

Radwege auf ehemaligen Gleisanlagen

Im Bereich Südstadt werden neue Verbindungen auf ehemaligen Gleisanlagen von der Bahnstadt über die neue Brücke über die Speyerer Straße in Richtung der Schulen am S-Bahn-Haltepunkt Weststadt/Südstadt sowie in Richtung Kirchheim und Rohrbach geschaffen. Die Maßnahme wird aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg für freigeführte Radwege gefördert.

Fuß- und Radbrücke Speyerer Straße

Mit einer Schrägseilbrücke mit Kosten von rund 800.000 Euro über die Speyerer Straße erhält die Bahnstadt Anschluss an die Radwege auf den ehemaligen Gleisanlagen in Richtung West- und Südstadt.

Radwegbrücke zum Neuenheimer Feld?

Im Zuge der Radverkehrserschließung der Bahnstadt durch Fuß- und Radverkehrsbrücken über die Gleisanlagen werden Überlegungen angestellt, eine durchgehende Verbindung über die Vangerowstraße und den Neckar ins Neuenheimer Feld östlich des Wehrstegs zu schaffen. Mit dieser „Radschnellstrecke“ von Campus zu Campus wäre das Fahrrad das ideale und schnellste Verkehrsmittel für die Verbindung Bahnstadt – Neuenheimer Feld und würde seine Eigenschaft als Leitverkehrsmittel der Bahnstadt unterstreichen.

Weitere Maßnahmen

  • Planung einer Fahrradverbindung im Zuge der Lessingstraße/Römerstraße zum Hauptbahnhof
  • Radwegbrücke Rohrbach – Kirchheim in Verlängerung der Sickingenstraße („Sickingenbrücke“)
  • Radstreifen Eppelheimer Straße im Bereich Bahnstadt mit Verlagerung des Parkens auf den Gehweg (Entschärfung Unfallschwerpunkt)
  • Umbau des Knotens Kaiserstraße/Ringstraße, um dem Radverkehr vom Hauptbahnhof kommend Richtung Weststadt eine Geradeausfahrt zu ermöglichen
  • Deckensanierungen: unter anderem „Schwarzer Weg“ (zwischen Heidelberg International School und Gneisenaustraße)
  • Bordsteinabsenkungen
  • Markierungsarbeiten: unter anderem Rohrbacher Straße zwischen Dantestraße und Hans-Böckler-Straße, Ziegelhäuser Landstraße zwischen Stiftsweg und Ziegelhausen-Mitte
  • Fahrradabstellanlagen: unter anderem am Rathaus

Fahrradparken Hauptbahnhof

Um die Kapazitäten für Bike&Ride-Nutzer am Hauptbahnhof zu erhöhen, sollen im Laufe des Jahres 2012 weitere Radabstellplätze auf der Nordseite geschaffen werden.

Öffentliches Fahrradverleihsystem

Im Jahr 2012 soll in Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim und dem Rhein-Neckar-Kreis ein interkommunales öffentliches Fahrradverleihsystem installiert werden. Im Stadtgebiet Heidelberg sind 23 Stationen geplant, die vorwiegend an Verknüpfungspunkten mit dem Schienenverkehr und ÖPNV, Stadtteilzentren, wichtigen Zielpunkten in der Altstadt sowie der Universitäten und Fachhochschulen eingerichtet werden. Hintergrund ist eine Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs. Zielgruppen sind Touristen/-innen, Kongressteilnehmer/-innen, Besucher/-innen, Pendler/-innen, aber auch Heidelberger Bürgerinnen und Bürger.

Radverkehrspädagogische Maßnahmen:

Schulradler

Als Initiative des ADFC, der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommune, des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Heidelberg sowie mit Unterstützung der Polizei, der Landesverkehrswacht und des VCD wurde 2011 das Projekt „Schulradler“ am Hölderlin-Gymnasium, am Sankt-Raphael-Gymnasium sowie an der Internationalen Gesamtschule eingeführt. Ziel ist, die Fünftklässler/-innen zu motivieren, den neuen Schulweg mit dem Fahrrad zurückzulegen. In den ersten Wochen des neuen Schuljahres werden die Schüler/-innen von älteren Schülern/-innen oder Erwachsenen analog zum „Laufenden Schulbus“ begleitet, danach legen sie den Weg selbständig zurück. 2012 ist geplant, das Projekt auf weitere Schulen auszuweiten.

Zusammenarbeit mit ADFC/Verkehrspädagogik

Regelmäßig durchgeführte verkehrspädagogische Maßnahmen des ADFC für Schüler/-innen werden von der Stadt Heidelberg mit jährlich 20.000 Euro gefördert. Ein weiterer hoher Förderbeitrag kommt von der Manfred-Lautenschläger-Stiftung.”

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  • Jottka

    OH MEIN GOTT! Haben die gesoffen oder haben die einfach nur gewürfelt?!

    Diese Planung geht dermaßen an der Realität vorbei, dass sich am Fahrradverhalten exakt NICHTS ändern wird.

    Die Knackpunkte sind:
    * generell der Mischbetrieb mit Fußgängern. Diese sind in Heidelberg großteils Touristen, Dörfler, Shopper, Patienten oder ähnliche mit der verständlichen und erwünschten Lizenz zum Tagträumen
    * wartezeitfrei vom Hbf über die Lessingsstraße auf die Kurfürsten-Anlage zu kommen → Tunnel unter der Lessingstraße hindurch
    * am besten den U-Turn am Brunnen Stadtwerke soweit Richtung Bahnhof legen, dass er noch über den Tunnel der Lessingstraße führt und so keine Wartezeit für Radfahrer dort entsteht
    * Fußgänger vor dem Kaufland Kurfürsten-Anlage sind meist angetrunken oder unachtsam, daher würde ich den Radweg gerade eben durch die Anlage in der Mitte der Kurfürstenanlage legen
    * mit wenig Wartezeiten über den Römerkreis hinweg → Tunnel bauen
    * den seit Jahren weggenommenen Weg auf der Südseite der KuFü beim alten Gericht am Bahnhof wiederbeleben. Breit genug … in beide Fahrtrichtungen NUR für Fahrradfahrer. Dafür bekommen die Fußgänger dann zum Tagträumen die schönere Nordseite am Park
    * der Adenauerplatz wird zur einzigen langsamen Stelle bevor es durch die Nadlerstraße zur flotten Plöck geht.

    Die Achse Neuenheim Richtung Altstadt ließe sich sicher auch noch verbessern indem man dort die Fahrradwege verbreitert bzw. die Fahrradständer entfernt und den Gehweg verschmälert. Im Moment jedenfalls ballern alle die Brücke runter und die Sofienstraße auf dem Gehweg entlang runter. Nicht schön, aber bei der Verkehrsführung nachvollziehbar.

    Ab der Plöck ist wieder alles relativ entspannt als Fahrradfahrer.

    Der Mischbetrieb macht es jedenfalls für Fußgänger, Autofahrer und Fahrradfahrer nicht entspannter, Heidelberg zu genießen.

    Was über die Bahnstadt überhaupt an Fahrradverkehr hinzukommt, wird man sehen. Wenn – meinem Bauchgefühl nach – mehr Leute aus der Bahnstadt ins Neuenheimer Feld wollen als in die Alstadt (über Speyerer Str. und KuFü), taugt die Lessingstraße allemal.

    Wieblingen ist jedenfalls sehr gut übers südl. Neckarufer bis zum Wehr oder zum Bismarckplatz angebunden. Da könnte man vielleicht noch den Mischbetrieb ein wenig entfernen.
    Die Eppelheimer Fahrradpendler wären am Czernybrücke mit einem Ausbau bis zur Speyerer Straße sicher auch besser bedient als den Weg durch Bergheim auszubauen.

    Rohrbach ist auch bestens angebunden. Da sollte man höchstens noch nahe dem Adenauerplatz die Markierungen verbessern.

    Die Markierungen sind in Heidelberg leider an vielen Stellen noch Murks. Was nicht flächig knallrot ist, sehen Fußgänger einfach nicht.